«Yes, I’m happy!» – Albanische Alternativmusik kann nun in Zürich aufleben

Fatmir Haziri, Leiter der Eventagentur «Different Show» spricht über sein Selbstverständnis als «Retter der alternativen Musikszene» und seinen grossen Wunsch, der albanischen Kommerzmusik mit qualitativ wertvollen Acts entgegenzuwirken.

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Herr Haziri, bevor wir auf Ihre Arbeit als Leiter der Eventagentur Different Shows zu sprechen kommen, erzählen Sie doch zunächst einmal etwas über sich und Ihren persönlichen Hintergrund.

Ich bin in Kosovo aufgewachsen. Meine Mutter kommt aus Presheva, mein Vater aus Gjilan. Den Kosovo-Krieg habe ich miterlebt. Es ist wie es ist. Jetzt müssen wir weiterschauen und uns mit der Realität auseinandersetzen. Beruflich komme ich aus dem sozialen Bereich. Ich arbeite bei der SBB bis Ende dieses Jahres. Nächstes Jahr werde ich mich voll auf die Arbeit in der Eventagentur Different Shows konzentrieren. Ich habe 13 Jahre Veranstaltungserfahrung. Dazwischen habe ich ein paar Jahre pausiert. Nun habe ich wieder damit von neuem begonnen.

Wann fing es mit Different Shows an?

Ich habe die Eventagentur Free & Virgin, in der ich früher sieben Jahre lang gearbeitet habe, Anfang dieses Jahres übernommen.

Warum der Name Different Shows?

Weil wir etwas Anderes anbieten wollen und nicht das stets Traurige, das wir gezwungen sind, anzuhören. Wir haben über 500.000 Albanisch sprechende Menschen hier. Die sollen auch die Möglichkeit bekommen, albanische Qualitätsmusik in der Schweiz zu hören.

Wer neben Ihnen ist für Different Shows verantwortlich?

Da ist unter anderen auch Crescendo. Er ist neben meinem Bruder auch Teilhaber der Firma und für das Administrative zuständig. Er hält mir den Rücken frei, wenn es zu hektisch um mich wird.

Sind personelle Ressourcen ausreichend vorhanden?

Ja. Mittlerweile habe ich ein Team von 12 Leuten, mit denen ich in verschiedene Richtungen zusammenarbeite. Wir haben zusätzlich noch sehr viele Angebote zur Zusammenarbeit bekommen. Aber den Großteil habe ich abgelehnt, weil ich im Qualitätsbereich seriös bleiben möchte.

Wie treffen Sie die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler?

In erster Linie müssen sie mir gefallen. (lacht) Ich habe da hohe Ansprüche. Sie haben ja am Alban Skenderaj-Konzert gesehen, dass auch Familien da waren. Deshalb will ich wirklich nur mit Leuten zusammenarbeiten, die keinen Hass verbreiten oder rassistische Inhalte weitergeben wollen. Ich habe den Krieg selbst miterlebt, bin patriotisch veranlagt; lehne aber jegliche Art von Hass und Rassismus ab. Ich unterstütze es, wenn die Leute das sehen und respektieren, was wir durchgemacht haben. Nun müssen wir aber den Krieg verarbeiten, einen Schritt nach vorne machen und friedlich in die Zukunft schauen können.
In der Auswahl der Künstlerinnen und Künstler achte ich auf die Qualität ihrer Musik, auf ihre guten Stimmen, den Wert ihrer Textinhalte, die wirklich Sinn vermitteln und auch mit Kunst zu tun haben. Auf kommerzielle Musik will ich gar nicht eingehen.

Für das heurige Jahr sind einige Konzerte mit wirklich grossen Namen der albanischen Musikwelt geplant. Wie lassen sich die Musikerinnen und Musiker für Zürich begeistern?

Ich kommuniziere immer direkt mit den Künstlerinnen und Künstlern. Die Art, wie ich mit ihnen kommuniziere ist sehr wertschätzend. Es sind ja grossteils Kolleginnen und Kollegen von mir. Wenn ich sie einlade, dann kommen sie. Und die stellen das auch nicht infrage.

Können Sie ein paar Namen nennen, die in nächster Zeit auftreten werden?

Das nächste Konzert wird mit Jericho am 12. September sein. Im September kommt auch Dren Abazi mit dem Zig Zag Orchestra. Sie haben einen Soundtrack für einen sehr erfolgreichen Hollywood-Film aufgenommen. Mehr möchte ich aber dazu nicht sagen. Das sollen sie dann selber tun. Troja kommt am 28. November zum Albanischen Nationalfeiertag. Auch Elina Duni wird im Dezember auftreten. Der Saxophonist Amir Gwirtzman aus Israel ist ein Weltklasse-Künstler. Asgje Sikur Dielli, Linda Hakaj, Rona Nishliu, Shkumbin Ismaili; um nur ein paar Acts zu nennen.

Alban Skenderaj hat ja gesagt, dass er im Dezember wieder kommen möchte.

Ja, Alban Skenderaj kommt wieder. Und wir werden auch in Zukunft vermehrt in der Schweiz und anderen Ländern Europas zusammenarbeiten.

Waren Sie zufrieden mit seinem Konzert am 22. August?

Es hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Wir mussten über 700 interessiere Leute abweisen, weil ich bewusst den Gästen einen gewissen Freiraum bieten wollte. Insgesamt waren es über 250 Leute. Yes, I’m happy!

Sie planen auch ein Festival im Februar nächsten Jahres? Was ist die Idee dahinter? Mit wem können wir da als Acts rechnen?

Ja, das Albanian Rock Festival. Wir stehen gerade in Verhandlungen mit möglichen Künstlerinnen und Künstlern. Bis Ende Oktober steht das Programm dann fest. Für das Festival erwarten wir über 1000 Leute. Und das wird einmal etwas Anderes, etwas Neues sein.

Was können wir nächstes Jahr noch erwarten?

Nächstes Jahr finden 24 Konzerte und zwei Festivals statt. Die Festivals werde ich gemeinsam mit zwei anderen Teams veranstalten. Mit denen werde ich in Zukunft vermehrt zusammenarbeiten.

Neben dem Konzert von Alban Skenderaj ist auch das nächste Konzert mit Jericho am 12.9. ausverkauft. Anscheinend haben Sie mit der Auswahl der Acts eine bisher wenig bediente Zielgruppe wachgerüttelt und zum Ausgehen begeistert.

Alban Skenderaj und Jericho sind ausverkauft, aber auch das Konzert von Elina Duni. Das Interesse ist wirklich sehr gross. Ich denke, dass alle Konzerte spätestens zwei Wochen vor Show-Beginn ausverkauft sein werden.

Auch für den Albanischen Nationalfeiertag am 28. November haben Sie ein besonderes Konzert geplant. Troja kommt nach Zürich. Warum gerade Troja für den Nationalfeiertag? Wie viele Gäste erwarten Sie?

Troja haben etwas Revolutionäres in der albanischen Musik gemacht. Sie haben im Kosovo der 1990er Jahre alles mitgemacht und nie aufgegeben. Darum ist ihre Musik so charakteristisch. Am 28. November stellen Sie bei uns erstmals ihr neues Albums vor, an dem sie vier Jahre lang gearbeitet haben. Wir haben uns im Organisationsteam bewusst für Troja an diesem besonderen Tag entschieden. Das Konzert findet im Club «Blok» in der Schiffbaustrasse statt. Wir erwarten 500 Gäste.

Was macht Ihnen besonders Spass an der Arbeit als Eventmanager?

Ich würde mich gar nicht als Eventmanager bezeichnen, sondern als Retter der alternativen Musikszene. Wir hatten bis jetzt kaum Möglichkeiten, alternative albanische Musik in der Schweiz zu geniessen. Ich will mit dieser Veranstaltungsarbeit nicht reich werden, sondern den Leuten eine Alternative zur Kommerzmusik bieten.
Grossen Spass an der Veranstaltungsarbeit habe ich, wenn meine Familie und meine Freunde da sind und auch viele von ihnen mithelfen. Zu sehen, dass die Gäste zufrieden sind, macht mir ebenso grosse Freude.

Mit welchen Herausforderungen werden Sie konfrontiert?

Ja, die ganze Sache ist mit einem riesigen Aufwand verbunden. Manchmal rufen Leute an, die nur ein Ticket für ein Konzert wollen, oder für mehrere. Ich bin mit allen Interessentinnen und Interessenten persönlich in Kontakt. Das ist natürlich eine Herausforderung. Aber es macht mir Spass. Der positive Stress gefällt mir.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass wir der albanischen Kommerzmusik ein Gegenprogramm mit qualitativ wertvoller Musik und Kunst bieten können.

 

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