Was ist Poetry Slam?

Bei der Veranstaltungsform Poetry Slam («Dichterwettstreit») geht es um das Vortragen von eigens verfassten literarischen Texten. Diese Texte werden als Slam Poetry bezeichnet. Slam Poetry behandelt überwiegend aktuelle Themen der Gesellschaft. Im Unterschied zu den klassischen literarischen Gattungen, ist Slam Poetry durch offene Formen gekennzeichnet. Das macht sie zugänglich für all jene, die sich schriftlich äussern möchten, ohne dem Anspruch der hohen Literatur dienen zu müssen.

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Der Begriff Poetry Slam wird im deutschsprachigen Raum als «Dichterwettstreit», «Dichterschlacht» oder «Dichterkrieg» verstanden. Doch gibt es offensichtlich noch keine deutsche Übersetzungsvariante, die dem englischen Begriff zufriedenstellend entsprechen könnte. So wird im deutschsprachigen Raum bevorzugt auf den Originalbegriff Poetry Slam zurückgegriffen. Poetry Slam erlaubt einen Stilmix literarischer Kreativität. Eine demokratische Literaturform, die in der Lesung das Publikum einbezieht. Prinzipiell kann jeder/jede slammen, der/die selbstgeschriebene Texte vorweisen kann. Es gibt bestimmte Elemente, die einen Poetry Slam charakterisieren. Dazu zählen:

  • Slammer/Slammerin
  • Text (Gedicht, Kurzgeschichte, Rap, Klangspiele usw.)
  • Performance
  • Bühne
  • Publikum
  • Jury
  • Regeln

Bei einem Poetry Slam treten Slammerinnen und Slammer auf der Bühne gegeneinander auf. Sie performen ihre Texte vor einem Publikum, das als Gesamtheit die Texte samt der Performance bewertet, oder eine Jury übernimmt die Aufgabe der Bewertung. Es gibt verschiedene Regeln, an die sich Slammer halten müssen. Dazu gehören beispielsweise das Verbot von musikalischen Darbietungen und das Verwenden von Kostümen oder Requisiten. Für den Auftritt bekommen die Slam Poeten eine Zeit von ca. 5 Minuten vorgegeben. An das Zeitlimit müssen sich alle strikt halten. Am Ende wird der Sieger des Abends gekürt.

Als Gründer des Poetry Slam gilt der ehemalige Bauarbeiter Marc Kelly Smith. Mitte der 1980er adaptiert er in Chicago das neue literarische Format, das nichts mit elitären Dichterlesungen zu tun hat. Anfang der 1990er kommt der Trend nach Deutschland und verbreitet sich somit im gesamten deutschsprachigen Raum. Mittlerweile gibt es unzählige Slams weltweit. Die «deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften» vereinen jährlich die besten Poetry Slammer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Im letzten Jahr wurden in Augsburg vom 3. bis 7. November die Poetry Slam Champions zum 19. Mal sowohl im Team- als auch im Einzelwettkampf gekürt.

Neben den internationalen Meisterschaften gibt es auch nationale Wettkämpfe.

Vom 17. bis 19. März 2016 findet in St. Gallen die Schweizermeisterschaft im Poetry Slam statt. Die besten Slam Poetinnen und Poeten des Landes kämpfen um den Titel in den Kategorien Einzel, Team und U20. Alle Infos dazu gibt es hier.

Auch lokal gibt es in der Schweiz eine belebte Slam Szene. In Zürich beispielsweise werden Slams mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Formen fast wöchentlich abgehalten. Über die nächsten Veranstaltungen kann man sich hier informieren.

Wie eine Poetry Slam Performance aussehen und sich anhören kann, zeigt Jan Philipp Zymny, der Gewinner der Deutschen Poetry Meisterschaften 2015.