Taulant Mehmeti, ein Jazzmeister der Improvisation

Frisch, frech und feinfühlig - so klingt Taulant Mehmetis Jazz. Der 25-Jährige betört mit seinem Gitarrenspiel die ganze Welt. Erst kürzlich war er mit dem «Taulant Mehmeti Quartett» am Internationalen Jazz Festival in Bern zu sehen. «dialogplus» hat den jungen Gitarristen unter die Lupe genommen.

Foto: Ariana Dragusha



Ein verregneter, kühler Abend in Bern: ein perfekter Anlass für wärmende Jazz-Klänge. Im Rahmen des Internationalen Jazz Festivals war die «New School for Jazz and Contemporary Music New York» ebenfalls eingeladen. Unter deren Studierenden befand sich auch Taulant Mehmeti, der bisher einzige kosovarische Student an dieser Schule.

Schwarze Mokassins, bunt gestreifte Socken, schwarze Hose, rotes Poloshirt, graues Jackett; dunkelblonde, wuschelige Haare und scheuer Blick. Dem jungen Herren ist der Jazz auf den Körper geschneidert. Er verliert sich selbst auf der Bühne, löst sich auf und findet sich wieder in seinem virtuosen Gitarrenspiel. Seine Finger sausen nur so über die Saiten, seine Lippen bewegen sich zur Musik und seine Augen sind meistens geschlossen.

Das «Taulant Mehmeti Quartett» besteht aus weiteren drei Studierenden: Baden Goyo aus Venezuela am Piano, Jill McKenna aus Kanada am Kontrabass und Liam Zahm aus New York am Schlagzeug. «Wir haben uns in der Musik gefunden. Sowohl auf der Bühne, wie auch hinter der Bühne, die Chemie stimmt einfach», verrät das junge Quartett. Und tatsächlich, die Rechnung geht auf! Die Lieder sind perfekt eingeplant und genial improvisiert. «Unser Programm enthält viele originale Kompositionen, aber auch Lieder, die wir anders arrangiert haben», legt Mehmeti dar.

«Taulant Mehmeti Quartett»  Foto: Ariana Dragusha
«Taulant Mehmeti Quartett»
Foto: Ariana Dragusha

«Ich war im Jazz-Himmel»

Seine Entscheidung, sich für die «New School for Jazz and Contemporary Music» zu bewerben, fiel ihm leicht: «Seit ich Jazz für mich entdeckt habe, war es mein Traum an dieser Schule zu studieren und zu musizieren. Ich habe es zuerst gar nicht glauben können. Ich war angenommen an dieser renommierten Schule», erzählt Mehmeti immer noch freudestrahlend über sein Glück. Mit der finanziellen Unterstützung von seiner Familie und von grossen kosovarischen Jazz-Legenden, wie Armend Xhaferi, wurde es Mehmeti möglich, nach New York zu reisen.

Mehmeti erhielt Unterricht von seinen zwei grössten Vorbildern: Vic Juris und Peter Bernstein. «Natürlich war es eine Ehre für mich! Ich kannte jedes Stück von ihnen, und dann noch von ihnen lernen zu dürfen… ich war im Jazz-Himmel!», sagt Mehmeti aufgedreht.

Ein Höhepunkt in der bisherigen Karriere des Gitarristen war der Auftritt im berühmtesten Jazz-Café New Yorks «Blue Note». Teil dieser Performance war auch Mehmetis grösstes Idol Vic Juris. «Ohne Frage, ich war noch nie nervöser als an dem Abend. Ich wollte Vic Juris zeigen, wie ich auf meiner Gitarre spielen konnte. Aber messen mit und an ihm werde ich mich wahrscheinlich nie können. Ganz speziell war auch, dass wir nur aus meinen Kompositionen vorgetragen haben», schildert Mehmeti.

Albanische Melodien im Jazz

Sein Jazz ist frisch, frech und feinfühlig zugleich. Ausserdem ist er teilweise angehaucht von balkanischen Melodien: «Die Neugier zur traditionellen albanischen Musik erwachte erst als ich in New York war. Heimweh spielte sicher eine Rolle auf meiner Entdeckungsreise. Aber ich merkte auch, wie gut sich albanische Volkslieder in den Jazz eingliedern lassen.» Es blieb nicht nur bei einigen Liedern, Mehmeti kreierte sein zweites Album «Kosovology» ganz in diesem Stil. «In diesem Album verarbeitete ich ausserdem die damalige politische Lage des Kosovo», fügt der Jazzgitarrist hinzu.

Diesen Sommer wird Mehmeti seine Ausbildung abschliessen, mit der Musik wird er jedoch auf jeden Fall weitermachen: «Ich will dieses Jahr noch unbedingt ein neues Album veröffentlichen.» Wir sind gespannt!

Taulant Mehmeti – Kosovology

Taulant Mehmeti Trio & Vic Juris – You’d Be So Nice To Come Home To – Live at Blue Note