Skanderbeg überall

Er ist Krieger und Heiliger zugleich – die Kultfigur schlechthin. Der albanische Nationalheld Skanderbeg ist in der Kultur der Arbëreshë in Italien omnipräsent. Ob als Gemälde, Büste oder Tonscheibe, als Strassenbezeichnung oder Hotel, in Erzählungen und Liedern, Skanderbeg ist überall. Ein Lokalaugenschein in den Dörfern Civita und Frascineto, die von den Arbëreshë vor über 500 Jahren in Kalabrien gegründet wurden.

Fassadengemälde in Civita zeigt Skanderbeg im Kampf gegen die Osmanen Foto: Mirëlinda Shala



Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg (albanisch Skënderbeu), kämpfte vor über einem halben Jahrtausend im Krieg gegen die Osmanen in der Region des heutigen Albaniens. Zu dieser Zeit flohen Tausende von Menschen vor Krieg und Elend aus der Region über das Meer nach Süditalien. Die von Krieg, Pest und Erdbeben entvölkerten Länder Süditaliens wurden nach und nach von den Arbëreshë – so nannten sie sich in Gedenken an die Region, die sie verlassen mussten – wiederaufgebaut. Sie zogen nach Apulien, Kalabrien, in die Basilikata und nach Sizilien, um dort ein Teil der italienischen Bevölkerung zu werden. Doch ihre Herkunft vergassen sie nicht. Mit Liedern und Festen, mit Symbolen und Geschichten hielten sie über Jahrhunderte die Verbindung zum Mutterland. Allein in Kalabrien gibt es 32 albanische Dörfer, die seit der Migration die Sprache und Kultur der Arbëreshë bewahrt haben.

Eine wichtige Funktion in ihrer Erinnerungskultur spielt der albanische Nationalheld Skanderbeg, der 1468 unbesiegt im Kampf gegen die Osmanen starb. In allen diesen Dörfern finden sich Strassen und Hauptplätze, die nach dem Nationalhelden benannt sind. So auch in Civita.

Civita – Çifti – Adlerhorst

Ein Dorf, dessen albanischer Name Çifti ist und in seiner Bedeutung ebenso auf die albanische Herkunft verweist. Der italienische Dorfname Civita leitet sich vom albanischen Wort Çift her und heisst so viel wie Adlerhorst bzw. das Nest des Adlers. Das Dorf liegt ungefähr 250 Kilometer südlich von Neapel und 75 nördlich der Provinzhauptstadt Cosenza.

Gleich auf dem Weg zum Dorfplatz von Civita begegnet man der Skanderbeg-Büste, die zentral aufgestellt nicht zu übersehen ist.

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Foto: Mirëlinda Shala

Nur wenige Schritte entfernt zeigt ein überlebensgrosses Fassadengemälde den unbeugsamen Krieger in einer Schlachtszene im Kampf gegen die Osmanen.

Foto: Mirëlinda Shala
Foto: Mirëlinda Shala

«Le Vallje»

Die farbenfrohe Abbildung gleich daneben lässt Civita selbst bei trübem Wetter erstrahlen. Es zeigt das traditionelle Volksfest «Le Vallje», das alljährlich am Dienstag nach den Osterfeiertagen zu Ehren des Skanderbeg begangen wird.

Foto: Mirëlinda Shala
Foto: Mirëlinda Shala

Und so sah das Fest 2016 lebendig und in Farbe aus.

Foto: Mirëlinda Shala
Foto: Mirëlinda Shala

Museo Etnico Arbëresh

Gleich am Hauptplatz, auf dem sich das Fest abspielt, findet sich das Museo Etnico Arbëresh.

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Foto: Mirëlinda Shala

Lebende Skanderbegs

Und während man im Museo Etnico am Studieren der Ahnentafel von Gjergj Kastrioti ist, ….

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Foto: Ariana Dragusha

… kann es passieren, dass man einem lebenden Skanderbeg über den Weg läuft. Zum Beispiel Giorgio Maria Castriota Scanderbeg und seinem Sohn Alessandro aus der 30. Generation.

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Foto: Rexhep Rifati

Bilder – Büsten – Flaggen

Im Eingangsbereich des Museo Etnico werden die Regale geschmückt von einer Skanderbeg-Tontafel und einer Büste zwischen zwei Tischflaggen von Albanien und Kosovo.

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Foto: Mirëlinda Shala

Unterwegs zum oberen Stockwerk geht man an einem riesigen Gemälde vorbei, das Skanderbeg einem Weihnachtsmann ähnlich in weichen Zügen und Farben wieder einmal heldenhaft darstellt.

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Foto: Mirëlinda Shala

Im zweiten Stock des Museums geht es gleich weiter mit dem nächsten Bild, das auf der Fensterbank nicht zu übersehen ist.

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Foto: Mirëlinda Shala

Friedensnobelpreisträgerin und Krieger

Zwei andere Bilder im Nebenraum porträtieren Skanderbeg in erhabener Pose vor dem Hintergrund von albanischen Nationalsymbolen: ein Adler und die albanische Flagge. Darunter wird dem Krieger die Friedensnobelpreisträgerin mit albanischer Herkunft, Mutter Teresa an die Seite gestellt.

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Foto: Mirëlinda Shala

Lady Liberty mit dem Krieger

Nur wenige Kilometer von Civita entfernt liegt das ebenfalls von den Arbëreshë gegründete Dorf Frascineto. Dort befindet sich die Bibliothek des Albanologen Pater Antonio Belushi.

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Foto: Mirëlinda Shala

Im Vorzimmer der Bibliothek kann man sich fragen, warum Skanderbeg neben Lady Liberty platziert ist.

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Foto: Mirëlinda Shala

Pater Antonio Belushi wird von den seit Anfang des 20. Jahrhunderts bestehenden Beziehungen zu den albanischen Emigranten in Nordamerika erzählen. Die 1912 gegründete Panalbanische Föderation Vatra vereinte zahlreiche albanische Organisationen in den USA, um dort die Interessen der albanischen Emigranten zu vertreten. Die Vertreter von Vatra hatten ebenso einen grossen Einfluss in der Nationsbildung Albaniens.

Museo del Costume Albanese

Das Museo del Costume Albanese in Frascineto vereint das historische und ästhetische Erbe der Trachten aus den albanischen Gemeinden Süditaliens.

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Foto: Ariana Dragusha

Faszinierende königliche Artefakte als Originalkostüme aus dem 19. Jahrhundert werden dort ausgestellt neben Miniatur-Kostümen, die Puppen bekleiden.

Und mittendrin: Skanderbeg.

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Foto: Mirëlinda Shala

Hotel Scanderbeg

Wer in der Blütezeit dieses Hotels in Kalabrien wohl ein und aus ging?

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Foto: Mirëlinda Shala

 

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