Laura Mersini-Houghton: Diskurs über die Einzigartigkeit von Multiversen

Die international angesehene Physikerin mit albanischen Wurzeln, Dr. Laura Mersini-Houghton, erörterte am gestrigen Abend im Hauptgebäude der ETH Zürich Theorien über die Entstehung unseres Universums. Ermöglicht wurde der Auftritt vor rund 150 Studierenden und Interessierten von Dialogplus in Zusammenarbeit mit Studenti, dem albanischen Studierendenverein der Universität Zürich.

Laura Mersini-Houghton, Astrophysikerin und Professorin an der University of North Carolina at Chapel Hill (USA)



Wirft man einen Blick in die Vergangenheit der renommierten Technischen Hochschule Zürichs (ETH), eröffnet sich ein Wissensreichtum, der sich nicht nur von national, sondern auch international berühmten Wissenschaftlern zusammensetzt. Am gestrigen Abend durfte auch Laura Mersini-Houghton, Astrophysikerin und Professorin an der University of North Carolina at Chapel Hill (USA) auf Einladung als Gastdozentin über die Entstehung, den Aufbau und die Entwicklung von Planeten, Planetensystemen und Galaxien referieren. Sie ist Anhängerin der Multiverse-Theories, die sich von der Idee der Einzigartigkeit menschlichen Lebens verabschieden und stattdessen den Charakter von Parallelwelten darzustellen versuchen. Bereits 2006 gelang ihr ein Forschungsergebnis, das einen Hohlraum zwischen und resultierend aus kosmischen Doppelgängern festhält – eine Entdeckung, die 2007 als Eridanus Supervoid bekannt wurde.

Mersini-Houghton erklärte zunächst die vorherrschende Big Bang (Urknall-)Theorie und stellte dieser zwei zentrale Theorien gegenüber, die auf Multiversen setzen. Der Big Bang markiert gemäss vorherrschender Überzeugung einer Mehrheit von Physikern den Beginn des Universums, der nicht einfach in einem bestehenden Raum zu einer bestimmten Zeit als Explosion auftrat, sondern die gemeinsame Entstehung von Materie, Raum und Zeit aus einer Singularität ermöglichte. Seither expandierte das Universum und seine Entwicklung lässt sich zeitlich zurückrechnen bis zu dem Punkt, an dem die Dichte unendlich wird.

Für Mersini-Houghton jedoch ist diese Theorie nicht zufriedenstellend, da sie noch viele grundlegende Fragen offenlasse und das Zeitparadoxon in eine Kategorie zu pressen versuche, wo doch Zeit kaum fassbar ist. Auch verliert die Relativitätstheorie an Kraft gemessen am Zeitpunkt der unendlichen Dichte. Die Urknalltheorie geht zudem davon aus, dass die kosmische Inflation (Inflationstheorie), welche besagt, dass gleich nach dem Urknall eine extrem schnelle und starke Aufblähung stattgefunden haben soll, die Expansionsbewegung nach allen Seiten homogen betrachtet. Geht man jedoch vom Urknall (wir nehmen also an, dass es ihn gegeben hat) als von «einer von vielen» aus, so muss man annehmen, dass gemäss Inflationstheorie Inflation ewig anhält und jedes Universum folglich neue Universen gebiert. Dies würde somit die Frage nach der benötigten Explosionsenergie zunächst erklären.

Die zweite Theorie, die String Theorie, verabschiedet sich von Konzepten der Teilchen- und Materiebeschaffenheit von Galaxien und stützt sich stattdessen auf Strahlung, die in einer bestimmten Frequenz schwingt und demzufolge eine Realität suggeriert, in der wir uns in elf verschiedenen Dimensionen bewegen, die wir jedoch aufgrund unserer limitierten Wahrnehmung nicht erkennen können. Obwohl die String Theorie also Gravitation, Elektromagnetismus und Atomkraft plausibel erklärt; beweisen kann auch sie nichts.

Der Reiz an der String Theorie besteht jedoch in erster Linie darin, dass es unendliche Möglichkeiten über Formen der verschiedenen Dimensionen erlaubt. Jede Variante wiederum resultiert in ein weiteres Universum mit verschiedenen physikalischen Gesetzen. Bleibt also nur noch die Frage, in welcher Dimension wir uns gerade befinden. Inflations- und String Theorie gehen beide vom selben physikalischen Raum aus, in dem sie im Falle einer Überschneidung eine ausgeprägte Information hinterlassen würden. Menschliche Neugier wird also immer fragen wollen: was war eigentlich vor dem Knall? Der einzige Weg bis jetzt, um das Universum zu sehen, basiert nur auf das Senden und Empfangen von Lichtsignalen. Bewegen wir uns also hoffnungslos in einem dunklen Feld ohne Lichtschalter? Einzig und allein die Zeit kennt die Antwort.

Laura Mersini-Houghton wurde in Tirana als Tochter eines angesehenen albanischen Mathematikers geboren und studierte Physik an der Universität von Tirana, erlangte den Master an der University of Maryland und doktorierte im Jahre 2000 an der University of Wisconsin-Milwaukee. Sie errang früh mediale Aufmerksamkeit ausserhalb akademischer Kreise und erreichte zahlreiche Einladungen, 2010 von BBC, um ihre multiversale Theorie vorzustellen.