«BOUNCERS» – Ein mutiges Stück

BOUNCERS - ein Autounfall



Eine Bühne, vier Kisten. Dieses simple Bühnenbild erwartete die Zuschauer am letzten Samstag in der Pestalozzi-Bibliothek Hardau. Es ist ein Bühnenbild, das nichts über das Stück verrät, deshalb bleibt die Spannung bis zum Beginn des Stückes ungebrochen. Zwölf Charaktere enthält das Stück, dargestellt werden die Rollen aber nur von vier albanischen Schauspielern: Enver Halimi, Qazmedin Nuredini, Sefedin Shabani und Shkëlqim Islami. Qazmedin Nuredini ist gleichzeitig der Regisseur des Stückes.

Erste Szene, vier Türsteher. «Mobiltelefone ausschalten und lacht nicht!» wird das Publikum gleich zu Beginn ermahnt. Die grossen, in schwarzen Anzügen gekleideten und mit dunklen Sonnenbrillen ausgestatteten Türsteher hinterlassen zu Beginn einen einschüchternden Eindruck. Plötzlich werden energisch die Kisten bewegt, mal rechts, mal links – und schon sind wir in der zweiten Szene. Das Publikum wird Zeuge einer Beautysalon-Szene, in der sich Rosi (Shkëlqim Islami) mit ihren Freundinnen für den Ausgang bereit macht. Wie Frau, so Mann. Es folgt eine Szene, in der sich eine Gruppe Männer für die bevorstehende Samstagnacht zurecht machen. Bei beiden Gruppen ist das andere Geschlecht Thema Nummer eins.

Und so zieht sich der Rollenwechsel durch das ganze Stück: Mal war die Frauengruppe auf der Bühne, mal die Männergruppe, und nicht zu vergessen die Türsteher. In einigen Szenen wurde der Zuschauer enorm gefordert, denn die Gruppen trafen im Club aufeinander, das heisst die Schauspieler wechselten fliegend von einem Charakter in den anderen. Eine beachtliche Leistung auch von den Akteuren.

«Der Beat geht weiter!»
John Godber’s Komödie «Bouncers», zum ersten Mal aufgeführt 1984 am Edinburgh Festival, ist ein Stück, das eine normale Diskonacht porträtiert. In der Einleitung schreibt der Autor selbst: «Das zentrale Thema ist universal: Männer rennen Bier hinterher, rennen Frauen hinterher, und der Beat geht weiter.»

Der Beat begleitete den Zuschauer durch das ganze Stück. Ob englischsprachige Chart-Hits oder albanische Volksmusik, die musikalische Begleitung war stets passend und unterhaltend. Nicht zu vergessen sind die lächerlich komischen Tanzeinlagen. Überhaupt hat Regisseur Qazmedin Nuredini alles aus Godber’s Komödie geholt, was es zu holen gab.

Übertreibung bis hin zum Grotesken
«Es ist eine Komödie, in der die Charaktere bis ins Groteske übertrieben werden», erklärt Qazmedin Nuredini im Gespräch. Erik, zum Beispiel, dachte einmal zu oft nach. Seine Arbeitskollegen machen sich ständig lustig über ihn, und geben ihm immer eine Auszeit, in der er seine tiefgründigen Gedanken äussern kann: «Um 12.00 Uhr ist es in der Clubtoilette wie in Dante’s Inferno!» Ausserdem legt Nuredini einen weiteren wichtigen Punkt vor: «Das Stück behandelt die Devianz unserer Gesellschaft. Es beinhaltet eine kritische Dosis. Die springt dem Zuschauer aber nicht gerade ins Gesicht.» Das Stück kritisiert in der Tat, dass beide Geschlechter nur in den Ausgang gehen, um ein Abenteuer zu finden. Sex und wie man das jeweilige Geschlecht bezirzt, ist ein Thema dass sich durch das Stück zieht. Aber gerade weil die Charaktere bis ins Groteske übertrieben werden, ist die kritische Dosis in humorvolle Dialoge und Szenen verpackt. Man muss, wie Erik, einmal zu oft darüber nachdenken, um die Kritik zu entdecken.

Ein mutiges Stück
Das Stück ist äusserst unterhaltend, nicht nur wegen der übermässigen Übertreibung der Charaktere. Die Musikstücke sind passend gewählt und beleben die Bühne immer wieder aufs Neue. Die Schauspieler erbringen eine beachtliche Leistung, indem sie improvisieren, wenn mal der Ton ausfällt, oder weil sie fliegend Charaktere wechseln. Es ist nichtsdestotrotz ein mutiges Stück, weil es Tabuthemen wie Sex auf die albanische Bühne bringt. Dadurch zwingt es das Publikum sich dem Thema gegenüber zu öffnen. Kein Wunder, dass die Seifenszene der Publikumsliebling war. In dieser Szene fällt einer Ehefrau die Seife runter beim Duschen. Eine Affäre, die genau in diesem Moment an die Tür klingelt, soll das Problem mit der Seife beheben. Daher kann sich das Publikum besonders gut mit dem Stück identifizieren, weil es eben so viele Stereotypen behandelt. Alles in allem, ist es ein mutiges Stück, aber auch ein Stück, dass den Theaterbesuchern viel Gelächter und Bauchweh beschert. Die Schauspieltruppe hat ihr Stück bis jetzt in Kosovo, Montenegro, Mazedonien, Schweiz und Deutschland aufgeführt.