Mythisch – Mystisch – Elektrisch: Who’s Elektra

Nach der erfolgreichen Tour durch Kosovo, Albanien und Mazedonien rockt das Luzerner Trio von Who's Elektra wieder die Schweizer Bühnen. Die Brüder Besart (Gesang, Gitarre) und Bujar Berisha (Bass) und deren Freund Julian Wettach (Schlagzeug) gingen gemeinsam mit «dialogplus» auf die Suche nach dem roten Faden in ihrem Debütalbum «Goddess Of The Universe».

Foto: Bujar Berisha



Who’s Elektra haben eine Tour durch Kosovo, Albanien und Mazedonien gemacht. Wie kam die Balkan-Tour zustande?

Besart: Wir haben einen Freund in Kosovo, der sich bereit erklärt hat, die gesamte Tour selbstständig zu organisieren. Wir haben ihm da voll und ganz vertraut. Er hat die Locations ausgesucht, die Leute informiert und die PR gemacht. Wir haben ihm nur gesagt, in welchem Zeitfenster wir da sein werden. Alles andere haben wir in seine Hände gelegt.

Und gleich danach ging es mit zahlreichen Auftritten in der Schweiz weiter. Wie habt ihr den Übergang erlebt? War das Publikum dort anders als hier in der Schweiz?

Bujar: In Kosovo gibt es nicht besonders viele gute Rockbands. Die Musikszene ist schon eine andere. Man kann sagen, dass wir für sie eine Art Vorbildfunktion haben. Am Schluss sind die Leute auf uns zugekommen, um mit uns zu reden. Hier ist das nicht immer so. Dort sehen sie es als Möglichkeit, sich mit uns auszutauschen. Sie zeigen gleich Interesse, mit den Menschen zusammenzuarbeiten. Und wir als Secondos sind da besonders interessant, weil wir eine Brücke sind.

Besart: Nach den Konzerten sind Leute gekommen und haben begeistert gerufen: «Es war eine Freude!» Ihre Rückmeldungen waren nicht nur positiv, sondern auch wirklich sehr emotional. Die Konzertatmosphäre ist, seitdem es Smartphones und die sozialen Medien gibt, schon anders. Vor fünf Jahren, als wir mit der früheren Band Manesh unterwegs waren, hat sich das ganz anders angefühlt. Die Leute sind voll abgegangen. Von der ersten bis zur letzten Reihe haben sie sich in erster Linie auf die Musik eingelassen, getrunken, getanzt und geschwitzt. Sie waren nicht damit beschäftigt, dass sie uns mit ihren Smartphones aufnehmen und das gleich auf Facebook posten. Das ist hier in der Schweiz genauso. Wir haben auch vor fünf Leuten gespielt, ebenso vor 500. Dass sie heute weniger tanzen und zur Musik abgehen, liegt nicht am Sound, sondern wirklich an diesem Zeitgeist. Die Medien sind immerzu präsent und beeinflussen die Atmosphäre.

Julian: Das Positive daran ist, dass es sich schneller herumspricht. Zum Beispiel in Kosovo haben wir viele Interviews beim Radio oder Fernsehen gehabt. Oder jemand stellt ein Video ins Netz und teilt es mit all seinen Freunden, die dann vielleicht zum ersten Mal von uns hören.

Waren die Konzerte gut besucht?

Besart: Vom ersten bis zum letzten Konzert waren alle sehr gut besucht. Das erste Konzert war im Soma Book Station in Prishtina. Die Bühne war sehr gross, und links haben Leute gestanden, die dort nicht hätten stehen sollen, weil es dort schrecklich klingt. (lacht) Aber die Leute sind da geblieben, nach dem Motto: «I don’t care. Ich will einfach hier stehen und spüren, was die auf der Bühne machen». Diese gelassene Stimmung war bei allen Konzerten. Ich als Sänger habe eine grosse Freude gehabt, vor so einem Publikum zu performen. In Mitrovica war es auch sehr interessant. Da waren alle Rockmusiker im Publikum, von denen wir erfreulicherweise viel positive Kritik erhalten haben. Sie wollten alle die CDs kaufen und sie signiert bekommen. Es war schön, für sie zu spielen.

Für die CD auf den Konzerten in Kosovo, Albanien und Mazedonien gab es einen speziellen Preis.

Bujar: Ja. Das war die Idee, von dem dortigen Tour-Manager Flamur. Wir haben die CD um nur drei Euro pro Stück verkauft. Das ist der Normalpreis für eine CD in diesen Ländern. Wir haben uns an die dortigen wirtschaftlichen Verhältnisse angepasst, damit die Leute sich die CD auch wirklich leisten können. Das haben sie natürlich dankend und in einer Vielzahl angenommen.

Diese CD – das Debütalbum «Goddess Of The Universe» – kam im Dezember heraus. Was tat sich auf dem Weg bis zur Veröffentlichung?

Julian: Wir hatten einen Förderpreis von der Nachwuchsplattform Tankstelle in Luzern gewonnen, und durften uns dann einen Produzenten aussuchen, mit dem wir ein Album aufnehmen konnten. Wir wählten Roli Mosimann aus, der auch für Marilyn Manson, Faith No More oder New Order gearbeitet hatte. Im Soundfarm Studio in der Schweiz wurde dann auch unser Album aufgenommen. In Polen wurde das dann gemischt. Bis es dann endgültig herauskam, verging noch eine Weile.

An der Entstehung der Songtexte haben auch andere Mitglieder der Familie Berisha teilgenommen. Kann man sagen, dass Who’s Elektra eine Art Familienunternehmen ist?

Besart: Der Julian ist ja nicht unser leiblicher Bruder oder Cousin, aber doch irgendwie ein Bruder. (lacht) Von ihm ist der Song «What About». Die zwei Schwestern von Bujar und mir haben auch viele Texte geschrieben, die wir dann in der Band eingespielt haben. Auch unser Vater, der Poet ist, hat den Song «Verses To You» beigetragen. In dem Original heisst es «Vargjë për ty», wir haben das dann ins Englische übertragen.

Wurden bereits Musikvideos zu den Songs produziert?

Besart: Es sind bisher zu den 13 Albumsongs vier Videos produziert worden: «Blue», «God Of The Sun», «If You Want Me» und «What About». Von «Touch The Sky» gibt es ein Live-Video von einem Auftritt in Luzern. Die Videos findet man auf unserer Homepage www.whoselektra.org. In Zukunft kommen noch viele Videos hinzu.

Wie kam es eigentlich zur Bandgründung?

Julian: Ich habe mit Besart im Musikgeschäft zusammengearbeitet. Wir haben dann angefangen, gemeinsam zu jammen. Da haben wir gesehen, dass es gemeinsam funktioniert.

Besart: Wir haben 2011 unsere Band Manesh aufgelöst, und er hat auch zur gleichen Zeit seine damalige Band aufgelöst. Und so haben wir uns dann neu zusammengesetzt und Who’s Elektra gegründet.

Hat sich mit der Neugründung auch der Stil verändert?

Besart: Die Gründung von Manesh war vor zehn Jahren. So viel ich noch die Kritik der Journalisten im Kopf habe, war Manesh mehr eine Party-Band. Aber nicht im Stile von Gipsy Sound oder Schlager. Von der Besetzung her ist der Unterschied, dass wir vorher vier waren, jetzt sind wir drei. Wir hatten vorher auch eine Violine und einen anderen Sänger. Ich sang damals nicht. Die Songs waren früher stilistisch sehr unterschiedlich und konnten im Gesamten nicht einem bestimmten Genre zugeordnet werden. Heute mit Who’s Elektra haben wir einen ganz bestimmten Sound. Und ich übernehme die Vocals mit der Gitarre.

Woher kommt die Inspiration? Gibt es Vorbilder, an die sich der Stil von Who’s Elektra anlehnt?

Besart: Das klingt jetzt ein bisschen egoistisch, aber ich bin mein eigenes Vorbild. (lacht) Inspirationsquellen kann ich ganz viele aufzählen.

Bujar: Vorbilder sollte man töten, wie den Vater. Gemäss der griechischen Mythologie.

Besart: Wir haben Vorbilder und klingen vielleicht wie irgendjemand für unser Publikum, aber schlussendlich sind wir individuell auf uns drei eingestimmt. Nicht jeder spielt Schlagzeug wie Julian, Bass wie Bujar oder singt wie ich. Wegen meines grossen Bruders habe ich viel Jimmy Hendrix gehört, weil er das eben auch gehört hat. Auch Muse, Queens of the Stone Age zählen zu den Rockbands, die uns beeinflusst haben.

Bei den Themen, die in «Goddess Of The Universe» behandelt werden, gibt es da einen roten Faden, der sich durch das gesamte Album zieht?

Besart: In «Red Banana» wird erwähnt, dass eine tanzende Frau nicht aus meinem Kopf geht. Das kann man mit Liebe, Tanzen verstehen, aber auch mit Politik oder was man will. Es gibt Songs wie «God Of The Sun», das sagt schon alles. Hier geht es mehr in das Mystische.

Bujar: Man kann eigentlich eine Geschichte daraus machen. «Elektra» ist eigentlich ein Intro, ein Song ohne Text. In «Blue» ist man böse und traurig. Bei «God Of The Sun» merkt man, es gibt einen Gott. Aber ich kann den Himmel berühren mit «Touch The Sky», doch wahrscheinlich nur selber. «If You Want Me» sagt, dass du mich haben kannst, aber nur wenn du mich willst.

Besart: Und wenn du eine rote Banane bist («Red Banana»).

Bujar: Und dann ist man völlig verliebt und schreibt Verse für dich («Verses To You»). Danach kommt das «Goodbye». Dann heisst es «What About». Und schliesslich sagt man: «Don’t Go Away». «A Nibbled Vest» ist ein Anagramm mit Musik ohne Text. Zuletzt trifft man Gott in «Audience With God» und mit «Carmen» gibt es einen Ausklang.

Besart: Wie man sieht, ergibt Song 13 und 1 «Carmen Elektra».

Und das wurde dann bewusst so gewählt?

Besart: Nein. (lacht)

Warum der Name Who’s Elektra?

Bujar: Wir haben uns alle Namen überlegt, die gut klingen und für uns auch Sinn machen. Ich hatte verschiedene Namen im Kopf. Die Voraussetzung war, dass es so simple ist, wie möglich und auch so, dass es einem im Gedächtnis bleibt. Eine Frage erschien mir als sinnvoll. Zu Elektra gibt es ja mehrere Geschichten. Vor allem in der griechischen Mythologie. Und die Schauspielerin Carmen Electra gibt es auch noch. Aber mehr geht es in unserem Bandnamen um Elektrizität, Energie, Elektron.

Besart: Als wir Who’s Elektra gründeten und die ehemalgische Manesh-Facebook-Fanpage umbenannten auf «Who’s Elektra?» – also mit einem Fragezeichen – schrieb jemand: «Die Ex-Freundin von Ben Affleck». Also, man kann es nehmen, wie man will. (lacht)

Bujar: Das ist auch gut. Denn der Name hat verschiedene Assoziationen. Er soll zum Reden anstiften.

Wie geht es mit Who’s Elektra weiter?

Julian: Wir möchten sicher so viele Konzerte spielen wie möglich, sei es hier in der Schweiz oder im Ausland. Nach und nach soll auch das zweite und dritte Album erscheinen. Eines ist eigentlich so gut wie fertig. Beim anderen ist es so, dass wir im Studio in Prishtina während der Tour ein Instrumental-Album aufgenommen haben. Ob wir das so lassen oder noch zusätzliche Parts einspielen, werden wir sehen.

Tour-Daten und weitere Infos auf www.whoselektra.org.

Das Album «Goddess Of The Universe» ist erhältlich auf Amazon.

«dialogplus» verlost eine signierte CD auf Facebook. Unter allen Kommentaren bis 30. April wird die Gewinnerin oder der Gewinner ausgelost. Teilnahmeberechtigt sind auch Fans ausserhalb der Schweiz. Danke an Who’s Elektra für die Stiftung des Preises!

Album-Cover «Goddess Of The Universe»
Album-Cover «Goddess Of The Universe»